Zusammenfassung:Trump nennt den 2. April „Liberation Day“, also „Befreiungstag” für die US-Wirtschaft.picture allian
Trump nennt den 2. April „Liberation Day“, also „Befreiungstag” für die US-Wirtschaft.
Donald Trump plant, Zölle auf viele Produkte an das Niveau der Handelspartner anzupassen und eine Erhöhung der Zölle auf Autos aus der EU auf 25 Prozent.
Eine Studie der DZ Bank zeigt, dass die Automobilbranche besonders gefährdet ist, aber viele andere Sektoren wie Pharma und Maschinenbau wenig unter den geplanten Zöllen leiden würden.
Das Ifo-Institut hält wechselseitige Zölle ebenfalls für das kleinere Übel. Auch ein positives Szenario haben die Münchener Wirtschaftsforscher berechnet.
Für den 2. April hat US-Präsident Donald Trump den „Liberation Day ausgerufen. An diesem Tag plant er, die oft niedrigeren US-Zölle auf viele Produkte an das Niveau der Handelspartner anzugleichen. Außerdem hat Trump angekündigt, Importzölle von 25 Prozent auf Autos aus der EU zu erheben.
Laut einer Studie von DZ Bank Research, der Analyseabteilung der DZ Bank, die zur Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken gehört, müssen die EU-Staaten reziproke Zölle, die ausschließlich auf bestehenden Zolldifferenzen basieren, nur in wenigen Bereichen ernsthaft befürchten.
In zentralen Exportbranchen wie der Pharmaindustrie und dem Maschinenbau sind die Unterschiede bei den Zollsätzen gering. Warengruppen mit besonders hohen Zolldifferenzen spielen hingegen oft nur eine untergeordnete Rolle im Handel zwischen den USA und Europa – etwa Nahrungsmittel und Agrarprodukte. Die größte Schwachstelle der Europäer bleibt jedoch die Automobilbranche.
„PKWs machten 2023 über 14 Prozent aller deutschen Exporte in die USA aus. Hinzu kommen Fahrzeugteile und Motoren mit knapp sieben Prozent der Ausfuhren. In Italien machten Autos sieben Prozent aller Exporte nach Amerika aus“, erklärt Analystin Monika Boven. „Gefährlicher als Ausgleichsmaßnahmen für Zolldifferenzen sind daher die zahlreichen anderen Strafzölle, die Trump außerdem in Aussicht gestellt hat”, betont Boven.
Gefahr geht von weiteren Zöllen aus
Ein bedeutender Schwachpunkt liegt also im Automobilsektor, der insbesondere Deutschland und Italien aufgrund seiner großen Rolle im Handel mit den USA verwundbar macht. Eine Erhöhung der US-Zölle von 2,5 Prozent auf zehn Prozent durch reziproke Zölle würde laut DZ Bank Research für die Automobilindustrie eine ernsthafte, aber nicht katastrophale Belastung darstellen.
Trump habe inzwischen aber die Zölle auf Autoimporte auf 25 Prozent angehoben, was vor allem die deutsche und italienische Wirtschaft noch stärker gefährde. Sollten wie geplant Anfang Mai zusätzlich Zölle von 25 Prozent auf Autoteile verhängt werden, würde sich die Belastung noch verschärfen, so die Studie.
Darüber hinaus könnten weitere US-Zölle drohen. Zölle von 25 Prozent auf Medikamente oder sogar auf alle Pharma-Produkte würden vor allem Irland erheblich belasten, aber auch Italien, Deutschland und Frankreich. Die geplanten Sonderzölle auf Halbleiterimporte wären hauptsächlich eine Gefahr für Irland, während Finnland von möglichen Zöllen auf Holz oder Kupfer betroffen wäre. Ähnliches könnte auch anderen EU-Ländern drohen, da Trump bereits durchblicken ließ, dass er über 25 Prozent Zölle auf alle Importe aus der EU nachdenkt.
Es bleibt jedoch fraglich, ob Trump die teils höheren Zölle nicht vor allem als Druckmittel einsetzen möchte. Es ist nicht sicher, dass die hohen Zölle tatsächlich eingeführt werden und schon gar nicht, dass sie langfristig bestehen bleiben – vor allem aufgrund der absehbaren negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und Inflation in den USA.
Ifo-Insitut sieht sogar positives Szenario
Auch das Münchener Ifo-Institut kam zu dem Ergebnis, dass es das kleinere Übel wäre, sollte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch wechselseitige Zölle ankündigen. Ohne Reaktionen seitens der EU rechnet die Ifo-Expertin Lisandra Flach mit einem Rückgang der deutschen Exporte in die USA um 2,4 Prozent. Werden jedoch Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, könnte der Rückgang bei etwa drei Prozent liegen.
Beide Szenarien fielen deutlich weniger drastisch aus als die Möglichkeit von pauschalen Zöllen von 20 Prozent, die ebenfalls zur Diskussion stehen sollen. Besonders hart von den wechselseitigen Zöllen betroffen wäre nach den Berechnungen des Ifo jedoch die deutsche Autoindustrie, gefolgt von Textilien und Bekleidung.
Frühere Simulationen, bei denen man von Zöllen in Höhe von 60 Prozent auf Waren aus China und 20 Prozent auf Produkte aus dem Rest der Welt, einschließlich der EU, ausging, deuteten auf einen Rückgang der deutschen Exporte in die USA von etwa 15 Prozent hin.
Die Wirtschaftsforscher aus München haben auch eine positive Variante berechnet: Zum Beispiel könnte die Reduzierung von höheren Zöllen der USA, die über denen der EU liegen, die deutsche Wirtschaft zwar in Bezug auf den Export belasten, gleichzeitig aber die Wertschöpfung in Deutschland steigern.
Im Falle einer Einigung zwischen der EU und den USA, die Zölle auf das jeweils niedrigere Niveau anpassen, würde das Modell einen Anstieg sowohl der deutschen Exporte als auch der Wertschöpfung vorsehen. Flach stellt jedoch fest, dass die Wahrscheinlichkeit einer Senkung der Zölle durch die USA eher gering erscheine.
„Unsere Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle von Verhandlungen, um die nachteiligen Auswirkungen eines Handelskrieges abzuwenden, betont Flach. Grundsätzlich betrachtet sie die neue Zollpolitik von Trump als „Frontalangriff auf die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung.
Für Deutschland sind die USA der wichtigste Absatzmarkt, auf den rund zehn Prozent der Exporte entfallen. Ähnlich hoch ist die Bedeutung für Italien und Finnland, während Irland über ein Viertel seiner Exporte dorthin liefert. Frankreich und Spanien hingegen konzentrieren sich stärker auf den EU-Binnenmarkt, wobei die USA nicht zu ihren Top-3-Handelspartnern zählen.